Personalienangabe – zu welchem Preis?

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Heute um 16.00 Uhr wurde UPI, die am Montag gemeinsam mit zwei weiteren Aktivisti im Hambacher Forst verhaftet wurde, aus der JVA in Köln entlassen, nachdem ihre Familie am gestrigen Tage die Personalien bei einer Polizeiwache eingereicht hatte - ohne vorherige Absprache mit dem Anwalt der Gefangenen oder der Gefangenen selbst.

Die heutige Entlassung erfolgte - nach Überprüfung der Meldeadresse, Antrag auf Aufhebung des Haftbefehl durch die StA und Bestätigung durch die Richterin – nach Wegfall des Haftgrundes „Fluchtgefahr“ vor allem auf Grund von vergleichsweise leichten Tatvorwürfen.

UPI hatte mit ihrem Anwalt besprochen, die Personalien vorerst nicht anzugeben, da nicht klar war, ob eine Personalienangabe auch zur Entlassung führen würde. Diese Entscheidung wurde ihr nun genommen. Mit der Entlassung aus der Untersuchungshaft verfällt auch das heute durch ihren Anwalt eingereichte Rechtsmittel der Haftbeschwerde.

UPI erklärte sowohl ihrem Anwalt als auch direkt nach ihrer Entlassung uns und ihrer Familie in unmissverständlich Weise, dass es ihr Wunsch war, anonym zu bleiben.

Auch wenn die Angabe der Personalien die aktuelle Haftzeit beendet hat, so bedeutet dies nicht, dass damit die Repression im Gesamten verringert wurde.

Der folgende Abschnitt ist unsere Sicht auf diesen konkreten Fall. Es geht uns nicht darum, das Für und Wider einer politischen Praxis zu diskutieren oder gar Empfehlungen auszusprechen: Personalienverweigerung ist und bleibt eine Entscheidung, die jede*r für sich selbst treffen darf und muss.

Dass Entscheidungen über den Kopf von Inhaftierten übereilt und ohne Absprachen mit Anwälten getroffen werden, geht gar nicht. Wir haben Verständnis für die Sorgen der Angehörigen, aber nicht für ein solch invasives Verhalten. 

Personalienangabe über Dritte entgegen dem Wunsch der Inhaftierten entwertet nicht nur die persönliche Entscheidung der betroffenen UPI sondern auch die Entscheidungen der ebenfalls anonym gebliebenen anderen Aktiven und deren sich ebenfalls sorgenden Angehörigen. Diese Angehörigen haben ihre eigenen Sorgen zurückgestellt und tun dies noch. Dennoch haben sie sich nicht angemaßt, darüber zu entscheiden, was das Beste für ihre Nächsten ist.

Allen Beteiligten sollte hier auch bewusst sein (sowohl den noch anonym Inhaftierten als auch Angehörigen oder Freund*innen), dass eine Personalienpreisgabe die Haft nicht zwangsläufig beendet. So haben UPIII und UPIV die gleichen Vorwürfe (beide schwerere als UPI), aber UPIV sitzt auch nach Personalienangabe noch in Untersuchungshaft.

Sollten wir nicht alle darauf vertrauen, dass die Betroffenen mit der Beratung durch ihre Anwält*innen und der Berücksichtigung ihrer politischen Positionierung selbstbestimmt die richtige Entscheidungen für sich treffen können?

Wir empfinden das beschriebene Verhalten als übergriffig. Staatliche Repression begrenzt die Entscheidungsfreiheit der Inhaftierten - gegen den Willen der Gefangenen zu handeln, bedeutet ihren Rest an Freiheit und Autonomie zu nehmen.

Zeigt eure Solidarität mit den Gefangenen und dem, wofür sie kämpfen

– DONT TALK TO COPS! 

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At 4 pm today, UPI, who was arrested on Monday together with two other activists in the Hambach Forest, was released from the prison in Cologne after her family filed their personal details with a police station yesterday - without prior consultation with the prisoners' lawyer or the prisoner herself.

After checking the registration address, application for the waiver of the arrest warrant by the public prosecutor and confirmation by the judge, today's release took place after the cessation of the reason “flight risk”, mainly due to comparatively slight offenses.

Before, UPI had discussed with their lawyer, not to indicate their personal details for the time being, because it was not clear whether this would lead to release. This decision was taken from them now. With the release from custody, the appeal filed today by their lawyer expires.

UPI told both her lawyer as well as us and her family, right after their release, in no uncertain terms that they wanted to remain anonymous.

Even if the filing of their personal details may have ended the current custody, this does not mean that the total repression has been reduced.

The section below is our view of this particular case. It is not our intention to discuss the pros and cons of a political practice or even to make recommendations: refusing to give personal data is and remains a decision that everyone can and must make for themselves.

It does not go at all that decisions are made, over the head of detainees, hastily and without consultation with lawyers. We understand the relatives' concerns, but not such invasive behaviour.

Personal data provided by third parties, contrary to the wishes of a detainee, not only invalidates the personal decision of the UPI, but also the decisions of the other – still anonymous – activists and their concerned relatives. These relatives have put their own worries into the background and are still doing so. Yet they have not taken it upon themselves to decide what is best for their beloved ones.

All parties involved (both the anonymous detainees as well as relatives or friends) should also be aware here that disclosure of personal information does not necessarily end the detention. For example, UPIII and UPIV have the same allegations (however both more serious than UPI), but UPIV is still in custody even after the personal details have been given.

Should not we all be confident that, with the advice of their lawyers and the consideration of their political positioning, those affected can make the right decisions themselves?

We perceive the behavior described as infringing. State repression restricts the freedom of choice of detainees - acting against the will of the prisoner means taking the rest of their freedom and autonomy.

Show your solidarity with the prisoners and what they are fighting for

- DONT TALK TO COPS!

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