Brief #3 von Luna

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JVA Aachen

Mittagessenszeit, Sonntag der 16.Juni 2019

Okay, wenn ich noch einmal "Schatzi" oder "Ey, zeig deine Titten" durch den Türspion höre, hau ich was kaputt. Hab mal auf die Stimmen geachtet, sind immer die selben 3-4 Leute. Bestätigt meine Theorie aus Brief 2. Einer ist besonders aufdringlich, blöderweise ist der Hausarbeiter und hat da echt viele Möglichkeiten zu. Der macht das scheinbar sogar in Anwesenheit der Schließer. Das absurdeste: der scheint jedes Mal wieder ernsthaft enttäuscht und überrascht darüber zu sein, dass ich nicht reagiere. Was geht in den Köpfen von so Typen vor?

Ansonsten wie gehabt, keine Stunde draußen am Tag, kein Aufschluss/Umschluss, kein Gespräch mit der Seelsorge und keine Ausfertigung der für mich geltenden Strafvollzugsgesetze. Auch am Gottesdienst darf ich nicht teilnehmen. Von Aufschluss/Umschluss abgesehen glaube ich alles Rechte die mir nicht verweigert werden dürften. Also so theoretisch. Immerhin hab ich meine Medis bekommen, hat nur zwei blöde Sprüche von der Ärztin gekostet.

Klamotten durfte mein Verteidiger nicht mitbringen, tagelang dieselbe Unterwäsche tragen müssen nervt. Noch mehr nervt, keine Uhr auf Zelle zu haben. Ach ja, gestern kam Post. War geöffnet, obwohlt keine Postkontrolle angeordnet ist.

Aber wisst ihr, was das nervigste ist? Dass ich seit dem Verteidigerbesuch vorgestern mit keinem Menschen geredet habe. Das macht echt komische Sachen mit der Psyche. Ich weiß, es gibt Menschen, die viel länger in Isohaft sind, als ein paar Tage. Ich frage mich, wie die das aushalten. Hab großen Respekt davor.

Gestern wurde mir mitgeteilt, dass mein Verteidiger mich den ganzen Tag erreichen wollte. Zurückrufen ging nicht, weil "schon Einschluss" war als ich davon erfuhr. Heute beim Frühstück bekam ich ein "wir kümmern uns drum". Seitdem nichts. Naja, Essen kommt. Bald ist der Scheiß ja auch vorbei.

LunⒶ

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