Brief #2 von Winter / Letter #2 from Winter

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Anmerkung abc: der folgende Brief ist über mehrere Tage geschrieben, direkt nach dem ersten Brief/Statement. Leider liegt uns kein Datum vor.

Ich habe endlich einen Stift. Gestern habe ich mich so geärgert das ich keinen Stift rein geschmuggelt habe. Da waren so viele Gedanken und Eindrücke.


Es ist nicht so schlimm. Ich dachte aus der Freiheit hierhin zu kommen, würde mich total fertigmachen und ich frage mich, ob das noch kommt, aber grade geht es.

Ich glaube, so wie wir uns erst an die Freiheit gewöhnen mussten, so könnten wir das auch an die Unfreiheit.

Am meisten Angst habe ich vor dem Vergessen.

In der GeSa habe ich immer wieder von Kontiki geträumt.

Letzte Nacht habe ich von meiner Zelle geträumt. Da waren so große Löcher zwischen den Stäben, dass ich durchgepasst hätte, aber ich habe mich nicht getraut.

Ich will wieder vom Wald träumen, die Menschen wenigstens im Traum sehn.

Fast am meisten Angst habe ich davor, dass der Schmerz doch noch zuschlägt, die Verzweiflung.

Ich meine, da war mein  Leben, was ist da jetzt noch? Die Maschinen haben nicht nur die Baumhäuser zerrissen, auch unsere Leben, unsere Beziehungen, alles.

In einer Besetzung leben die Menschen, sonst funktioniert es nicht.

Ich glaube, grade habe ich noch Hoffnung, dass wir nicht so lange hierbleiben, deswegen klappt es ganz gut und ich kann es als zwangsläufig, interessante Erfahrung sehen.

Ich habe immer noch nicht mit dem Anwalt gesprochen, ich möchte so gerne Neuigkeiten von Zuhause hören. Das beschäftigt den anderen Menschen und mich am meisten.

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht apathisch werden. Ich habe jetzt 2 Tage fast nur rum gelegen, ohne Energie. Mein Körper hatte auch keine Kraft, es gab nur Brot und Wasser. Klischee.

Heute morgen der Tee war ein Highlight. Ich fange an Kleinigkeiten so sehr zu schätzen, wie ich es noch nie getan habe. Ich meine, jetzt müssen wir nicht mehr fragen, wenn wir auf Klo wollen oder Wasser haben möchten. Ich habe ein Zimmer mit Toiletteund Hahn.
Ich vermisse das Klettern, das Bewegen, das Laufen, barfuß.

Im Wald hatten wir so oft das Gefühl, wir hätten keine Zeit. Die Zeit rannte nur so. „Die Tage wurden zu Vögeln und versammelten sich und flogen davon“.

So schnell. Nie genug Zeit für alle selbstgewählten Projekte, nie genug Zeit für alle Menschen, die Mensch noch sehen wollte. Hier ist zu viel Zeit.

Ist Zeit eine Strafe, willst du, dass die Zeit vergeht. Was absurd ist, denn es ist ja dein Leben, das verrinnt.

Ich habe Angst , dass ich manche Menschen nie wiedersehe oder dass viel zu viel Zeit vergeht bis dahin.

Neben meinem Kopfkissen liegt ein altes, schmutziges Waldshirt, damit ich den Geruch die ganze Nacht in meinen Träumen habe, in meinem Kopf.

Ich vermisse das Feuermachen und dass alles an mir danach gerochen hat. Dass wir alle so gerochen haben. Eine Familie.

Ich sage mir, die anderen haben das durchgemacht, also schaffe ich das auch. Und der andere Mensch ist ja auch noch hier, ich bin nicht allein.

Wie kann ein Tag so viele Stunden haben? Was soll ich mit all der Zeit? Wie furchtbar, furchtbar müssen sich Tiere in Gefangenschaft fühlen, keine Beschäftigung, kein Lesen, kein schreiben, kein Reflektieren, nur warten und existieren. Ab und zu wird Futter reingeworfen, so kann es nicht mal sterben.

Ich habe meine Sachen behalten, ich bleibe ich. Ich habe viel mehr als ich anziehen könnte, aber andere Dinge aus meiner Habe durfte ich nicht bekommen.

Fast jedes Stück erinnert mich an eine Person, die es mir geschenkt hat oder die dabei war, als ich es in irgendeinem Umsonstladen gefunden habe. Oder an die unendlich vielen Gelegenheiten mit euch zu denen ich es anhatte.

Ich stelle mir vor, ich hätte einen Unfall oder eine schwere Krankheit gehabt und müsste jetzt eine ziemlich langweilige Rehazeit durchstehen, müsste jetzt eben eine ganze Zeit lang rumliegen. Dass mir grade eben nichts anderes übrigbleibt als zu lesen und Radio zu hören. Zwangsurlaub. Wieder ein Privileg, dass ich gesund bin und so etwas nie durchstehen musste.

Ich versuche Yoga zu machen und in der Freistunde renne ich barfuß im Kreis durch den Hof. Naja, rennen wäre es in eurer Welt wohl nicht, hier in einer zähen Zeitklebemasse ist das schon ganz schön flott.

Für alles andere hier kann ich mir soviel Zeit lassen wie ich will. Ich habe Angst, diese Langsamkeit nicht mehr loszuwerden, wenn ich wieder draußen bin. Den Hang dazu hatte ich ja leider schon vorher.

Der andere Mensch ist verlegt worden, Hafttrennung. Scheiße.

Am Samstag in der Gesa konnte ich noch in mein Innerstes greifen wie in eine riesige Bibliothek. Ich konnte einzelne Erinnerungen aus den Regalen ziehen und anschauen. Beim Anschauen bin ich hineingefallen in die Erinnerung und konnte fühlen, was ich gefühlt habe, als ich sie erlebt oder geschenkt bekommen habe. Mein ich ist durch die Bibliothek geflitzt, sobald mir die Augen zu gefallen oder ich in Gedanken geglitten bin. Es konnte nicht aufhören, nicht stehen bleiben.

Manche Erinnerungen habe ich mir mehrmals hintereinander angeschaut, bei anderen war der Sehnsuchtsschmerz zu groß und ich musste sie wegpacken.

Alle Erinnerungen waren aus dem Wald. Meine Seele hatte noch nicht verstanden, dass ich nicht mehr dort bin, mein Unterbewusstsein rutschte immer wieder dahin zurück.

Jetzt ist das nicht mehr so und ich muss mich gezielt anstrengen, um mich dahin zu versetzen, aber das ist in Ordnung.

Ich muss im Hier und Jetzt sein um mich anzupassen, um zu verarbeiten wo ich nun bin. Aber all die Schätze bleiben in mir, ich kann sie nie wieder verlieren.

Der Anwalt war da, ihr kämpft immer noch, ich wünschte, ich wäre bei euch. Aber mein Kampf ist hier. Von euch und dem Wald getrennt zu sein ist wie eine riesige Wunde. Gleichzeitig seid ihr und der Wald meine Medizin.

Winter

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Comment ABC: the following letter has been written over several days, directly after the first letter/statement. Sadly we can‘t give a date.

I finally have a pen. Yesterday it irritated me so much, that I hadn‘t smuggled in a pen. There were so many thoughts and impressions.

It is not so bad. I thought that coming here from freedom, would completely exhaust me, and I‘m wondering if it still to come, but for now it is all right.

I think, that just like we had to get used to the freedom to begin with, we could do the same with unfreedom.

Mostly I am scared of forgetting.

In the detention centre I was always dreaming of Kontiki.

Last night I dreamt about my cell. The room between the bars was so big, that I could fit through, but I didn‘t dare.

I want to dream about the forest again, or at least see the people from there in my dreams.

I am almost most scared of the pain hitting again, the despair.

I mean, there was my life, now what is still there? The machines didn‘t just cut through our houses, but also our lives, our relations, everything.

In an occupation people are living, otherwise it doesn‘t work.

I think, that I still have hope, that we won‘t stay here for so long, therefore it is also fine, and I can see it as a forced but interesting experience.

I still haven‘t spoken with the lawyer. I would really like to hear news from back home. This occupies me and the other people a lot.

We need to take care, not to become apathetic. For two days now, I have almost only been lying around without energy. My body had no power, and there was only bread and water. Cliché.

The morning-tea today was a highlight. I am beginning to really appreciate the small things like never before. I mean, now we don‘t have to ask, if we want to go to the toilet. I have a room, with a toilet and a faucet.
I miss climbing, moving, running, barefoot.

In the forest we often had the feeling that we didn‘t have the time. The time just kept running. „The days became birds, gathered and flew away.“

So quickly. Never enough time for all our projects, never enough time for all the people, that one wanted to see. Here there is too much time.

When time is your punishment, all you want, is for the time to run out. The absurd thing is, it is your life that is running out.

I am afraid, not to see some people again, or that too much time passes until I do.

Under my pillow is an old, dirty „forest-shirt“, so I can keep the smell through the night, into my dreams.

I miss making a bonfire, and smelling of fire afterwards. That we all smelled like this. A family.

I am telling myself, others have gotten through it, so I can do the same. And the other person is also still here, I am not alone.

How can a day have so many hours? What should I do with all this time? How terrible, terrible, must caged animals feel, not able to occupy themselves, not able to read, to write, to reflect. Only to wait and to exist. Occasionally getting food, so that they can‘t even die.

I have kept my stuff, and I stay myself. I have much more clothes than I can wear, but other things I wasn‘t allowed to get.

Almost every piece of clothing reminds me of a person, who gave it to me or who was there as I found it in some free-shop somewhere. Or on all the occasions with people, where I was wearing it.

I am imagining having had an accident or gotten a tough disease, and having to go through a tough and boring time of rehabilitation, having to stay in bed. Having nothing else to do, besides reading and listening to the radio. Forced vacation. Another privilege I have, being healthy and not having to go through something like this.

I try to do yoga, and in my „free-hour“ I am running bare-footed through the yard. Well, in your world you wouldn‘t call it running, but here in this mass of time it is pretty dashing.

Here I can take as much time as I will. I am afraid that even this slow patience will go away, when I am back out again. This I sadly already had before.

The other person has been moved, we are imprisoned and divided. Shit.

Last Saturday in the detention centre, I could still grab into my innermost memories, like in a huge library. I could pull out individual memories from the shelves, and examine it. Looking at it I would fall into the memory and could feel how I felt as I experienced  it or was given it. My self darted through this library, as soon as my eyelids dropped, or I slipped into my thoughts. It couldn‘t stop, it couldn‘t stay.

Some memories I examined several times, again and again, and with others the pain of desire was to strong, and I had to pack it away.

All of these memories were from the forest. My soul still hasn‘t understood, that I am not there anymore, my subconsciousness always slipping back to there.

It is no longer like this, and now I have to strain myself to get back there, but that is all right.

I must stay in the „here“ and in the „now“ to adapt, to process where I am now. But all the treasures stay within me, and I can never lose them again.

The lawyer was here, you are still struggling, and I wish I was with you. But my struggle is here. Being separated from you and the forest is like a huge wound. And at the same time, you and the forest are my medicine.

Winter

20 thoughts on “Brief #2 von Winter / Letter #2 from Winter”

  1. Liebe Winter

    Herzlichen Dank für all deine Worte, deine Ehrlichkeit, deinen Mut, deine Kraft und Beharrlichkeit. Deine Ausdrucksweise berührt mich sehr und ich möchte deinen Worten gerne mehr Raum bieten. Als Wald-/Naturfreundin bin ich Produzentin eines Podcasts. Es ist mir ein Anliegen weite Kreise auf die vielfältigen Auswirkungen von Natur/Wald auf unsere ganzheitliche Gesundheit aufmerksam zu machen. In Interviews berichten Personen über ihre ganz persönlichen Naturgeschichten und/oder über ihr Spezialgebiet wie Waldbaden, Visionssuche, Naturtherapien, Naturpädagogik, die Kraft der Bäume, Geomantie und Kraftplätze, essbare Wildpflanzen etc.
    Gerne lade ich auch Dich zu einem Interviewgespräch ein. Was meinst Du?
    Herzensgrüsse

  2. Wie viele Finger braucht eine Faust,
    bis man sie endlich sieht,
    und wie viele Fäuste braucht ein Kampf,
    bis er endlich geschieht,
    und die Antwort ist,
    für euch ganz alleine ,
    wir werden kommen und werden dann,
    Hunderttausende sein, Hunderttausende sein .

    Und wie verlogen muss Wahrheit sein,
    bis sich jemand empört,
    und wie laut müssen Schreie sein,
    bis sie ein anderer hört,
    und die Antwort ist ,
    für euch ganz alleine ,
    wir werden kommen und werden dann,
    Zweihunderttausende sein , ja Zweihunderttausende sein .

    Wie viele Schläge hält einer aus ,
    bis man die Wunden entdeckt ,
    und wie viele Tode stirbt einer noch ,
    bevor er langsam verreckt,
    und die Antwort ist ,
    für euch ganz alleine ,
    wir werden kommen und werden dann
    Dreihunderttausende sein , ja Dreihunderttausende sein .

    Und wie viele Finger werden zur Faust ,
    wenn der Kampf beginnt ,
    und wie viele Kämpfe brauchen wir ,
    bis wir alle gleich sind ,
    und die Antwort ist ,
    für euch ganz allein ,
    wir werden kommen und werden dann,
    Vierhunderttausende sein , ja Viermillionen sein .

    Ein Song von Ina Deter

    l

  3. Lieber Winter
    Ich habe eine Tochter … Ich denke in deinem Alter. Ich sage es ihr oft selbst, verändere nicht, respektiere andere, besonders die Schwächeren … Ich möchte dir dasselbe sagen. Ich bin voller Bewunderung für dich, weil du etwas tust, das ich nicht einmal auf einmal gehabt habe.
    Heute ist meine Tochter irgendwo in Hambi …
    Lieber Winter, ich sende die Kraft positiver Gedanken 🙂
    Du bist die Zukunft, in Menschen wie dir gibt es Hoffnung auf eine bessere Welt 🙂

    Ps Ich schreibe von Übersetzer google Ich weiß nicht Deutsch, ich entschuldige mich für Fehler

  4. Liebe Winter und alle, die hier kommentiert haben,
    auch mich hat alles, was Du in dem Video gesagt hast zutiefst bewegt. Vorallem, dass du diese Gemeinschaft und Verbundenheit durch das gemeinsame Ziel mit den Menschen und dem Wald erlebt hast. Das ist etwas wonach ich mich in unserer Gesellschaft sehne und es tröstet mich sehr, zu hören, dass es das gibt und die Menschen, die das Video sehen, davon erfahren. Ich fühle mich mit Dir und allen hier verbunden, und das ist etwas, was ich nur selten fühle. Ich schicke Dir Kraft und Zuversicht, fühle dich umarmt.

  5. Im Herzen bin ich jeden Tag bei euch, jeden Moment.
    Winter, wir kennen uns nicht und doch finden wir die gleichen Worte, für alles, was uns umgiebt…
    Wie wunderschön ist unsere kleine besondere Welt, gemeinsam mit der Natur.

    Wir müssen unsere Träume frei fliegen lassen, wie die Zugvögel… Wir müssen immer an sie glauben und mit ihnen hoffen, auf ihrer weiten Reise – dann kehren sie irgendwann zurück. <3 :'-(

    In Liebe und Dankbarkeit…

  6. Hei, spenden kannst du auf folgendes Konto:

    Kontoinhaber*in: Schwarzes Kreuz Dresden
    IBAN: DE57 4306 0967 1216 4248 00
    BIC: GENODEM1GLS
    Bank: GLS GEMEINSCHAFTSBANK EG
    Verwendungszweck: Spende ABC Rheinland

  7. Hallo, bin ich bekloppt…kann mir bitte jemand schreiben, wie ich hier spenden kann? Danke Winter, danke Euch allen hier, daß Ihr das tut und jaaaa, natürlich werden wir gewinnen 😉

  8. Lieber Mensch,
    dessen Worte, Situation und Handlungen mich zum weinen gebracht hat und bringt… nichts was ich in Worten ausdrücken kann beschreibt hinreichend, wie sehr du mein Herz berührt hast, wie sehr du mich selber inspiriert hast ebenfalls aktiver zu werden und mich für das was wichtig ist einzusetzen: Liebe, Menschlichkeit, Solidarität, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und noch so viel mehr.
    Ich danke dir… für deine Stärke, deine offene Schwäche, deine ehrlichen und menschlichen Worte.
    Auch ich wüsste gerne was ich tun kann, auch wenn ich grade auf einen anderen Kontinent bin.

    Du hast etwas großartiges getan –
    Fühl dich gedrückt.

  9. Liebe Winter,

    durch Dich habe ich Hoffnung. Durch Dich weiß ich, dass es in unserer Welt noch was anderes, wichtigeres gibt als Profit, Geld und Macht.
    Danke <3

  10. Danke Winter! Schreib ein Buch!
    Keine Angst – die Erinnerungen verblassen nur ein wenig, dass Du im Jetzt besser klar kommst. Dein Unbewusstes hat alles, wirklich alles gespeichert und Du kommst später jederzeit ran. Wenn nicht, sag Bescheid. Hypnose kann jeder… und damit hast Du wieder Zugang. Zeig ich Dir gerne!
    Ich arbeite naturnah – aber ich merke gerade wieder, dass ich so viel mehr tun sollte… Du rüttelst wach, bist Vorbild, zeigst mir wieder Werte und dass es das wichtigste ist, dafür zu kämpfen. Mir laufen Tränen – denn ich weiß, wie Verbundenheit mit Bäumen sich anfühlt… Danke dafür. Achte jetzt auf Dich – denn das ist die Basis. Nur so kannst Du weiter für den Wald und die Menschen da sein. Im Inneren sind nicht nur Erinnerungen, im Inneren ist auch ein Raum, in dem Du Kraft findest. LG

  11. Bleibe einfach so wie du bist, besser geht’s nun einmal im Knast nicht.Du bewegst mehr als hinreichend, ganz egal wo du gerade bist – dein wie ist deutlich wichtiger.
    Du kriegst das schon hin!!!

  12. Liebe Winter!
    Du hast mich schon so berührt, als ich Dich das 1.Mal in den Medien sah. In dem Video nach Deiner Verhaftung. Dein Schmerz und Deine Traurigkeit über das, was geschehen ist, aber auch Deine Stärke, Deine Überlegenheit waren spürbar, wie … der Boden unter meinen Füssen und die Luft in meiner Lunge. Und jetzt tust Du es wieder mit Deinen Worten.
    Ich kann nicht begreifen, dass jemand, wie Du eingesperrt worden ist. Das macht mich noch viel, viel unversöhnlicher mit dem System, als ich eh schon lange, lange bin.
    Bitte, bitte verliere nicht den Mut. Du beschreibst die Haft, bzw die Gefühle, was das mit Dir macht, so treffend, dass ich mich in meine Zeit der Gefangenschaft zurück versetzt fühle. Ich rieche wieder diesen merkwürdigen Knastgeruch und erinnere meine 1. Zelle. Beides sind Erinnerungen, die schon lange, lange Jahre verschüttet waren. Ich erinnere mich an dieses abstrakte Gefühl für Zeit und Sinn. Sogar an den Beamten, der damals die Abteilung leitete. Fragmente, mit denen ich dachte, fertig zu sein. Ich kann nicht verstehen, wieso Du in U-haft bist und wüßte gern die Anklage. Sicher werde ich es in den nächsten Tagen erfahren.
    Ich schicke Dir einen grossen Teil meiner Kraft. Alles geht nicht, da ich jemanden habe, für den ich sorgen muss. Schöpfe aus dem Reichtum, den der Wald Deiner Seele für immer gegeben hat. Und ja….: Schreibe. Nicht nur, weil es hilft. Schreibe, weil Du etwas zu vermitteln hast, was so wichtig geworden ist, weil es den Meisten abhanden gekommen ist. Und weil Du es kannst. Du hast soviele Herzen berührt und bewegt. Und meins auch. Die Tränen laufen, während ich dies schreibe, weil es einfach weh tut, dass Du dort bist.
    Das warten auf das Urteil war damals für mich die schlimmste Zeit hinter Gittern. Obwohl es „nur“ 5 Monate waren, kamen sie mir viel länger vor, als die 2 Jahre danach, bis ich endlich wieder nach Hause durfte.
    Nach Hause. Dein zu Hause gibt es nicht mehr. Das haben sie platt gemacht mit ihren Maschinen. Schicke Dir ganz viel Mut. Jörg Krampe.

  13. ich bin schockiert und fasziniert gleichzeitig. schockiert darüber, dass du als aktivistin für mutter erde in diesem, meinem land eingeknastet wurdest bei brot und wasser. ich bin sicher, der wind wird härter werden und den verantwortlichen noch hart ins geschicht schlagen. es ist ungerecht.

    fasziniert davon, dass du deine geschichte so direkt mit uns allen teilen kannst, ich direkt mit dir kommunizieren kann. das hat unglaubliches potential und ich bin sicher, dass dieser kampf gerade erst begonnen hat. Danke, dass du ihn für uns alle kämpfst, so werden immer mehr von uns aufwachen und wir werden mehr werden uns stärker werden.

    fühl dich fest umarmt und getragen.

    Adam

  14. Was kann man tun, um Sie zu unterstützen? Nur Kommentare sind mir zu wenig!
    Braucht es eine Petition?
    Wer startet diese?
    Liebe Grüße an alle mit Respekt und Danke 1000 Dank an euch alle

  15. Wow! Ich bin gerade auf der Suche nach deinem aktuellen Text, den ich nur anlesen konnte bevor er in meinem Feed verschwand. Danke für deinen Aktionismus, deine Worte, deine Ehrlichkeit. Fühl dich ganz ganz fest gedrückt! Es tut so gut zu sehen, dass es noch Menschen mit dem nötigen Spirit und Drive gibt, die wissen worauf es wirklich ankommt! Alles Liebe und Gute für dich und allen, die so fühlen wie du!

  16. Liebe Winter,
    die Willkür des Gefängnisapparats hat Hafttrennung angeordnet.
    Willkür und unerwartete Maßnahmen sollen verunsichern, sollen euch auch im Geiste trennen. Ihr habt im Wald in und mit den Bäumen ein tieferes Miteinander geschaffen als die meisten Menschen es je erleben. Leben bringt Abschied, aber Abschied durch Gewalt ist schwer zu akzeptieren. Mit jedem Abschied stehen wir vor einer Zerreißprobe: Akzeptanz oder Verweigerung. Die Verweigerung führt in die Depression.
    Aber Akzeptanz fühlt sich nicht sofort richtig an, sondern beinahe wie Verrat: Verrat am dem, was vorbei ist. Wie wahr ist es denn jetzt noch? Weil es unmöglich gemacht worden ist, weil es verboten wurde, ist es nicht mehr unmittelbar da. Mit der starken Erinnerung daran, dem tief erfahrenen Sinn und der Lebensfülle, die von außen gar nicht berührt und deshalb auch nicht zerstört werden kann, kann es gelingen, auch in dieser Situation das Neue zu spüren, es zuzulassen und durch die ureigene Lebendigkeit zu etwas Wertvollem werden zu lassen.
    Das ist die Kreativität, das Leben, das der Wald gelehrt und geschenkt hat.
    Viele draußen sind bewegt und nehmen auf je persönliche Weise am Schicksal des Waldes und seiner Bewohner teil. Idiotisch, dass diese neuen Verbindungen durch die Repression erst geworden sind. Aber sie sind jetzt da. Und hoffentlich sind sie nicht nur bewusst, sondern werden auch spürbar!
    Das Schreiben ist ein gutes Mittel, Verbindung zu beleben. Gute Nacht und gute Träume!

  17. Bitte schreib ein Buch! Lass die Erinnerungen nicht verblassen!
    Gib mir durch Deine Worte das Gefühl mit Dir, im Wald, zu leben!
    Bitte schreib ein Buch, bevor die Erinnerungen davon fliegen wie ein Vogel! 💕

  18. Liebe Winter,
    fühle Dich einfach nur fest gedrückt!
    Es kommt der Tag und die Stunde, in der Du aus Deiner erzwungenen Langsamkeit aufwachen wirst und die Welt wieder mit Mut zum Entdecken und Leben betrittst.
    Die Erde vergisst nicht, sie nimmt Dich an, und wenn jemand einmal im Rhythmus der Erde gelebt hat, wird das sein Leben für immer prägen.
    Wohin auch immer Dein Weg führen wird, vergiss nie, was Du im Wald gelernt hast und vor allem was er Dich gelehrt hat. Ich bin sicher, dass Du nicht vergessen wirst und dass Du den (für viele von uns) erzwungenen Tanz auf dem Seil zwischen der Liebe zur Natur und dem (leider) vom Menschenmacht geprägten Umfeld meistern wirst, denn Du bist mutig und eine Kämpferin.
    Kämpfe weiter für diese Natur und ihren Erhalt.
    Und denke daran: Dieser uralte Hambacher Forst ist in Dich mit all seinem Zauber hineingewachsen. Es ist ein Geschenk, das Du nie verlieren wirst.

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