Gedichte aus dem Knast #1

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Juni 2016, JVA Ebrach

#1

An deiner Wand hängen Bilder deiner Partnerin,
doch mit deinen Aussagen ergibt das alles keinen Sinn.
„Alter, Frauen sind überhaupt nichts Wert“,
dein Kollege zieht sofort das gleiche Schwert.
„Ja, Mann, der letzte Dreck - alles Fotzen“ -
ich unterdrücke das Würgen, um nicht zu kotzen.
Mir fällt einfach nichts mehr ein, was ich sagen kann,
nur die Faust geballt, die Muskeln angespannt.

  Wieder dreh ich durch, doch nur innerlich;
  euch die Köpfe einzuschlagen ist auch nicht förderlich.
  Doch es bleibt die Wut, weil ich nicht versteh,
  was in euren kaputten Köpfen vorgeht.
  Doch es bleibt die Wut, weil ich doch versteh,
  dass durch Manipulation der Masse dieser Dreck entsteht.

Du fragst mich, was ich sonst so mach -
ich besetze Wälder gegen Braunkohlekraft.
Anstatt zu fragen warum und wieso,
fragst du nur, wie steht es mit den Weibern denn so?
Im Kopf rast ich aus, weil dich nur das interessiert,
aber dir ist scheiß egal, was mit der Welt passiert.
„Was wird schon sein, sie sind genauso wie wir“
und wappne mich für den nächsten sexistischen Scheiß von dir.

  Wieder dreh ich durch, doch nur innerlich…

„Ich kann trainieren und dann Autos anheben,
Frauen sollen putzen und sich nicht daneben benehmen“.
Er redet weiter vom „schwachen Geschlecht“,
labert nur Scheiße und fühlt sich im Recht.
Wieder bin ich stumm und antworte nicht
und stell mir vor wie Koile dir die Nase bricht.

  Schon wieder dreh ich durch, doch nur innerlich…

Es widert mich an, dieser ganze Mist,
doch ist klar, dass Gewalt nicht die Lösung ist.
Auch wenn ich es jetzt nicht seh, glaube ich daran,
dass jeder Mensch sich verändern kann.
So werde ich versuchen, mit euch zu reden
und vielleicht einen Denkanstoß zu geben.
Natürlich ist das Ziel noch ewig weit entfernt,
aber das ist ja immer so, das hab ich längst gelernt.

  Wieder dreh ich durch, doch nur innerlich...

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